Drum Heroes

 

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Liebe Leser,

ich bin heute auf der Titelseite von Drumheroes abgebildet, im Heftinnern findet ihr einen Artikel zu meiner Person – ich bin offenbar ein Drumheroe. Das ist einigermaßen unglaublich, wenn ich an die Zeit zurückdenke, in der für mich alles anfing und in der ich selbst meinen ersten Drumheroe entdeckte. Später kamen dann noch mehr dazu, aber angefangen hat alles mit einem Einzigen.

Dazu muss ich euch ein bisschen von meinem Bruder erzählen. Er ist einige Jahre älter und als ich vierzehn war, hatte er sich bereits von seinem ersten selbst verdienten Geld ein altes Grundig – Tonbandgerät angeschafft. Ein Heiligtum, das beträchtlichen Platz im Regal beanspruchte und das er abends oder wenn er unterwegs war, mit einem Tuch abdeckte. Ich hatte natürlich absolutes Berührungsverbot. Mein Bruder hatte die damals häufiger verbreitete Angewohnheit, Musik zu hören. Das heißt, er machte dann nichts anderes, er hörte nur Musik! Dazu saß er in einem Sessel, der so positioniert war, dass der magere Sound aus dem Grundiglautsprecher optimal klang. Er hörte eine wilde musikalische Mischung: „Sitting on the dock of the bay“ von Ottis Redding, „50 ways to leave your lover“ von Paul Simon, „American woman“ von The Guess Who, „Fire and Rain“ von James Taylor oder aber auch „Red Baron“ von Billy Cobham und „Animals“ von Pink Floyd und „Aja“ von Steely Dan. Manchmal rief er mich zu sich und spielte mir mit Begeisterung die Musik vor. Ich hörte und hörte, konnte mir aber nicht vorstellen, wie diese sounds zu Musik verschmolzen. Vier Jahre hatte ich zu diesem Zeitpunkt Kleine Trommel im Spielmannszug gespielt und war in den Anfängen der Drum Rudiments. Aber das, was mir mein Bruder zu hören gab, war so komplex und voller spirit, dass ich es immer wieder hören musste. Also tat ich das Verbotene – immer wenn mein Bruder weg war, schlich ich mich in sein Zimmer, stellte das Grundig – Tonbandgerät an, setzte mich in den Sessel und hörte die Musik. Von Steely Dans’ „Aja“ kam ich nicht mehr los. Wie schaffte der Schlagzeuger bloß diesen beat derart druckvoll zu spielen? Das Drumsolo am Ende des songs war so tierisch geil und hatte soviel Time and Space. Ich konnte nicht glauben, dass der Drummer in den normalen Songgroove zurückkommen würde. Und dann war für mich mein Weg klar: Ich musste Schlagzeuger werden. Irgendwann später sah ich ihn dann auf der Bühne – Steve Gadd, meinen ersten Drumheroe. Aber wer jetzt glaubt, ich wollte es selbst zum Drumheroe bringen, der täuscht sich. Ich wollte immer nur Musik spielen, meine Sache gut machen und Spaß dabei haben….   In diesem Sinne viel Spaß mit dem Heft und der CD   Einer eurer Drumheroes   Ralf Gustke

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